Auf dem Gelände der ehemaligen AOK-Zentrale an der Jägerstraße soll bis Ende 2017 ein Wohnprojekt mit 320 „Mikro“-Apartments entstehen. Nur der Preis erscheint makro.

Natürlich wären 80 Quadratmeter irgendwie schöner, aber wozu? Muss man alles putzen. An den Wochenenden fährt er eh heim, und dazwischen muss er arbeiten, oft von früh bis spät. Da reicht es abends ja doch nur für ein paar Seiten im neuen Schmöker oder Fernsehen, bis die Augen zufallen.

So geht’s dem jungen Arzt, dem Pendler in Diensten des Energieriesen – und manchmal auch Studierenden, die bei ihrer ersten eigenen Bude ganz klein anfangen wollen: 20 bis 25 Quadratmeter, ein Wohn-Küchen-Zimmer mit Nasszelle, ein Mikrokosmos fürs Nötigste. Das reicht, wenn man nicht mehr will oder nicht mehr bezahlen kann.
„Mikrowohnen“ heißt der Trend, der vor allem in überhitzten Wohnungsmärkten die Chance auf ein bezahlbares Zuhause auf Zeit verspricht. Nicht nur im schwäbischen Aalen haben sie daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Die dort ansässige „i Live Holding GmbH“ wagt jetzt als erste den Sprung nach Essen: Auf dem Gelände der alten AOK-Zentrale an der Jägerstraße soll bis Ende 2017 ein Gebäudekomplex mit nicht weniger als 300 Kleinst-Apartments und 20 nur etwas größeren „Penthouse“-Apartments entstehen. Das Grundstück liegt nur einen Katzensprung von der Uni, der Innenstadt und der Büro-City entfernt. Schon im kommenden Frühjahr, so Julia S. Pietsch von „i Live“, startet der Abriss der alten Versicherungs-Zentrale.
Eine Menge Geld
Die Zielgruppe hat schnell erfasst, wer sich die Tiefgaragen-Pläne anschaut: 70 Stellplätze für Autos sind dort geplant, aber nicht weniger als 320 für Fahrräder. Dennoch ein Angebot, das bei weitem nicht nur Studierenden gilt, denn um auf der Mikro-Welle mitschwimmen zu können, muss der Geldbeutel eher makro ausfallen: Rund 105.000 Euro dürfte am Ende ein 25-Quadratmeter-Apartment kosten, zuzüglich Hausgeld. Wer nur mieten möchte, muss ebenfalls tief in die Tasche greifen. Die Preiserhebung läuft noch. Am Ende dürfte die Monatsmiete zwischen 15 und 20 Euro je Quadratmeter liegen. Was im Hausgeld einer Eigentumswohnung steckt und was die Verwaltung kostet, zeigen die Preise der WEG-Verwaltung.
Das ist eine Menge Geld. Nach Ansicht der Anbieter ist der Preis aber gerechtfertigt: Angesichts der Vielzahl von Wohneinheiten lägen die Gestehungskosten nun mal spürbar höher. Dazu kommen ein Wasch- und Fitnessraum, Gemeinschaftsräume und eine „Eventküche“, eine Dachterrasse und ein Hausservice, der in regelmäßigen Abständen das Objekt reinigt – wichtig für einen Bau, bei dem sich die Bewohner öfter als anderswo die Klinke in die Hand geben, weil das Studium beendet, das Projekt abgeschlossen, die Probezeit beendet ist.
Vermarktung soll im Herbst beginnen
Ob sich das „Rundum-sorglos-Paket“ in Essen mit seinem doch eher entspannten Wohnungsmarkt so an die Kundschaft bringen lässt wie geplant, muss sich zeigen. Immerhin gibt es auch andere Wohnprojekte für Studierende, etwa beim Allbau, der bei seinem Neubau-Projekt „Kastanienhöfe“ im Kreuzeskirch-Viertel bis 2016 fünfzig Apartments für Studierende errichtet.
Doch den Machern von „i -Live“ ist nicht bang, sie haben in zahlreichen anderen Städten Erfahrungen sammeln können – und, so Julia Pietsch, Mieter wie einzelne Käufer gefunden. Daneben auch begüterte Familien, die sich an jedem Standort eine Wohnung zulegen, oder größere Investoren, die gleich einen ganzen Standort ins Portfolio nahmen.
Im Herbst soll in Essen die Vermarktung beginnen, dann wird sich zeigen, ob auch hier all jene, die „jung, schick, entspannt und mit Style wohnen wollen“, wie es in der Werbung heißt, auf der Mikro-Welle reiten. Apropos: Die Küchenzeile hält erst einmal nur Herd und Kühlschrank bereit, eine extra Mikrowelle gibt’s nicht. Kein Platz.
Solche Reinigungs- und Pflegearbeiten übernimmt in anderen Objekten ein Hausmeisterservice in Essen. Und wer eine kleine Eigentumswohnung wieder abgeben möchte, findet den Weg unter Wohnung verkaufen in Essen. Für vermietete Apartments in zentraler Lage übernehmen wir die Verwaltung von Mietobjekten in der Essener Innenstadt.
Wolfgang Kintscher
Gottschling Immobilien, Hausverwaltung Essen
www.gottschling-immobilien.de
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